01.11.2026 | von Sarah Albrecht und Simeon Ehrig
Ein Reisebericht über das Langlaufen mit Herr-der-Ringe-Feeling und darüber, was ein Worldloppet-Skimarathon und der Pokallauf Rund um Marienberg gemeinsam haben
Während unsereins im August gut schwitzte, machten sich Zwei auf, die Skilanglauf-Worldloppet-Welt außerhalb Europas zu erkunden: Die Brüder Simeon Ehrig (Skilangläufer, 33 Jahre) und Tobias Ehrig (eigentlich Fußballer, jedoch vor wenigen Jahren von seinem Bruder zum Skilanglauf bekehrt, 40 Jahre) flogen vom erzgebirgischen Hochsommer hinein in den australischen und neuseeländischen Winter. „Wir sind auf die Südhalbkugel nach Australien und Neuseeland geflogen, um dort an den Worldloppets Kangaroo Hoppet und Merino Muster teilzunehmen“, berichtet Simeon.
Zehntausende Kilometer legt man nicht einfach so zurück, deshalb planten die beiden eine Rundreise um die zwei Läufe herum. Los ging es am 9. August 2026 per Flugzeug von Dresden über Frankfurt und Hong Kong bis nach Sydney. „Dort verbrachten wir drei Tage. Höhepunkt war unter anderem eine Wanderung in den Blue Mountains, die uns an die Sächsische Schweiz erinnerten, nur eben mit Dschungel. Das Sydney Opera House und einen Besuch des Stadtrandes ließen wir uns auch nicht nehmen.“
Auf zum Kangaroo Hoppet
Per Mietwagen fuhren die beiden in das knapp 700 km entfernte Alpine-Ressort Falls Creek. Doch so recht entspannt war die Fahrt nicht: „Wir mussten etwas bangen, denn am Wochenende vor dem Kangaroo Hoppet gab es einen starken Wärmeeinbruch mit Regen. Es war nicht klar, ob der Wettkampf stattfinden würde. Schlussendlich fand er aber mit gekürzten Strecken statt. Statt zweimal eine 21 km-Runde, fuhren wir viermal 4 km im Startgebiet“, erklärt Simeon. Und wieder erinnerte ihn das an die Heimat: „Es war ein bisschen wie beim diesjährigen Kammlauf in Klingenthal. Und auch die Leute erinnerten uns an Zuhause. Trotz wenig Schnee waren die Veranstalter bester Laune, es war ein toller Wettkampf und die Stimmung war fantastisch. Nach dem Wettkampf beim Auslaufen hatten wir auch die Möglichkeit, Teile der Originalstrecke abzufahren. Es war herrlich. Da kommt man ins Überlegen, ob man nicht noch einmal nach Australien fliegt. Der Kangaroo Hoppet ist ein vergleichsweise kleiner Worldloppet, aber dafür einer der Besten, an denen ich bisher teilgenommen habe und mein klares Highlight in Australien.“ Der Mann muss wissen, wovon er spricht, immerhin absolvierte Simeon bereits vier Wordloppets in Europa, darunter den Vasaloppet und Marcialonga schon mehrmals.
Nach dem Lauf führte die beiden ihr Weg nach Melbourne. Besonders einprägend war für sie der Besuch von Phillip Island. „Die Insel besticht durch beeindruckende Orte, wie Grotten, Steilküsten und Strände sowie einer vielfältigen Tierwelt. Wir haben wilde Wallabys, Ameisenigel und natürlich die berühmten Zwergpinguine gesehen.“
Länderwechsel: Neuseeland ruft
Vom Flughafen in Melbourne startete der Flieger gen Queenstown in Neuseeland – für Fans auch bekannt als Land der Hobbits. Mit dem Mietwagen ging es anschließend ins nahe gelegene Cardrona. Dort befindet sich auf ca. 1700 m Höhe die einzige Langlaufstrecke in ganz Neuseeland: die Snow Farm. Auf einer Hochebene liegend, erinnert die Strecke teilweise an einen alten Tagebau. „Die Bedingungen waren eigentlich super. Es lag mehr als genug Schnee und wir hatten Sonne satt. Die Strecke war bestens präpariert und wir konnten die originalen 42 km des Merino Muster fahren. Nur der Wind war wirklich extrem. Teilweise gab es Windböen, die beim Skating den Ski zurück auf den Boden drückten. Trotz der nicht einfachen Bedingungen war es ein herrlicher Lauf. Zwischendrin, wenn ich den Blick mal über die Landschaft schweifen lassen konnte, kam ich mir schon manchmal vor wie bei Herr der Ringe“, so der Trilogie-Kenner. „Der Merino Muster ist wahrscheinlich der kleinste aller Worldloppets. Insgesamt starteten 250 Leute von denen über die 42 km 118 ins Ziel kamen. Zum Vergleich: An unserem ATSV-Pokallauf Rund um Marienberg im Januar 2026 nahmen 149 Leute teil. Entsprechend war auch die Stimmung – es fühlte sich an, wie ein kleiner, regionaler Wettkampf, aber mit einer Distanz von 42 km.“
Damit waren beide Worldloppet-Läufe geschafft. Zeit also, ohne jedweden Wettkampfgedanken das Land weiter zu erkunden. Erneut per Flieger zogen Tobias und Simeon weiter nach Auckland auf der Nordinsel und von da nach Hamilton. Mit insgesamt acht Tagen Aufenthalt verbrachten sie dort die längste Zeit und ein Höhepunkt jagte den nächsten: „Nur zwei Tage nach einem Winterwettkampf bei 0 °C, Schnee und Sturm, gruben wir uns am Hot-Spring-Beach in eine heiße Quelle und entspannten bei 35 °C Wassertemperatur. In den darauffolgenden Tagen besuchten wir natürlich noch das Auenland, die Blue Water Springs, eine Glühwürmchenhöhle, eine aktive Vulkanlandschaft, eine Kiwi-Aufzucht und noch vieles mehr. Neuseeland steckt voller Wunder“, erzählt Simeon noch immer begeistert von dem Erlebten.
Die Heimreise nach dreieinhalb Wochen machte die Weltreise mit einem Flug über Los Angeles perfekt. Das Resümee: „Es war ein tolle Reise mit unglaublichen Eindrücken. Gerne würde ich den Kangaroo Hoppet nochmal auf der Originalstrecke fahren. Ich hoffe auch, dass ich mit diesen Eindrücken den einen oder anderen auf den Geschmack gebracht habe, dieses Abenteuer ebenfalls irgendwann anzugehen. Wir waren auch nicht die Ersten. Unser Sportfreund Fred Kirschen unternahm diese Reise schon Jahre vor uns und war uns bei der Planung eine große Hilfe. Am Ende muss ich sagen: Wir sind einmal um die Welt geflogen, um genauso enthusiastische Skifahrer zu treffen, wie bei uns zu Hause – und das ist super!“